04.03.2014 - Stationärer Einzelhandel – heute offline, morgen pleite?

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Ein Gespenst geht um im deutschen Einzelhandel. Bedrohlich und für einige beängstigend schwebt seit einigen Jahren eine dunkle Wolke namens Onlinehandel über der einstmals fast heilen Welt der Fachgeschäfte in Einkaufszentren und Innenstädte. Pauschal gelten Amazon & Co. als Existenzvernichter und schändliche Profiteure. Solche Vorwürfe entspringen meist unreflektierten Ängsten und Befürchtungen, und sind mitunter Ausdruck einer gewissen Hilflosigkeit. Hier tut Aufklärung und Information not. Die Lingen Wirtschafts + Tourismus GmbH hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Kooperation mit der IHK und der IT-Dienstleistungsgesellschaft mbH die Dinge ins rechte und somit realistische Licht zu rücken.

Fest steht: zur Panik besteht kein Anlass. Allerdings gilt auch hier die zweifellos empirische Aussage eines Michail Gorbatchow, dass die Zuspätkommenden vom Leben bestraft werden. „Wer heute nicht darüber nachdenkt, online zu handeln, ist morgen möglicherweise vom Markt verschwunden“, begründet Michael Lübbering, Geschäftsführer der Möbel Lübbering Gmbh in Wietmarschen-Lohne sein Engagement in den neuen Medien. Als etablierter Einzelhändler hat er sich frühzeitig informiert und die Möglichkeiten des Onlinehandels symbiotisch genutzt. Ähnlich sieht es auch Martin Kremming, Projektleiter der CIMA Beratung und Management GmbH aus Lübeck, der zu diesem Thema anlässlich einer von den eingangs erwähnten Initiatoren durchgeführten Veranstaltungsreihe referierte. „Leider bestehen viele Vorurteile, die es abzubauen gilt. Dabei ist es durchaus möglich, dass der Onlinehandel den stationären Einzelhandel positiv beeinflusst“, betonte Kremming im Interview. Wichtig sei es für die Einzelhändler, genauestens zu analysieren, ob für sie der Einstieg in den Onlinehandel überhaupt Sinn macht. Nur um dabei zu sein ist es im Aufbau und in der Unterhaltung einfach zu teuer. Struktur und Aufbau eines Unternehmens müssen ebenso wie die Produktpalette onlinefähig sein, und nicht zuletzt die wirtschaftliche Basis.

Richtig ist aber auch, dass oftmals die Beratungsqualität des Einzelhandels missbraucht wird, um mit den so erhaltenen Informationen letztlich zu günstigeren Konditionen im Internet zu kaufen. Gefragt ist also unternehmerisches Engagement und Ideenreichtum auf der einen Seite; auf der anderen Seite müssen Strukturen geschaffen werden, die den stationären Einzelhandel in den Städten und Zentren positiv beeinflussen. Das bedeutet, dass auch die Kommunen gefordert sind, beispielsweise durch neue Konzepte für die Innenstädte den für ihren Bestand wichtigen stationären Einzelhandel zu unterstützen. Noch einmal Michael Lübbering: „Der Einzelhandel muss den Impuls geben, damit der Kunde bei der Onlinebestellung an ihn denkt.“

Noch sind die Wachstumsraten des Einzelhandels stabil, der Anteil des Onlinehandels nicht so stark gestiegen wie befürchtet. Schon jetzt jedoch kann man erfreulicherweise Onlineshops von Einzelhändlern besuchen, die erfolgreich ihr Fachgeschäft mit den Möglichkeiten des Internets gekoppelt haben. Gute Beispiele dafür sind Emmas Enkel aus Düsseldorf (www.emmas-enkel.de), Mutterland Delikatessen aus Hamburg (www.mutterland.de) und oder auch der Edeka-Markt Möllenkamp in Osnabrück, der sich per App auf dem Smartphone mit besonderen Dienstleistungen präsentiert.

Das Fazit: kein Grund zur Panik, aber genau der richtige Zeitpunkt, um mit pfiffigen Ideen die zweifellos vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen. (Quelle: Wirtschaftsecho, 2/2014)

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